Nov 27

Der berühmt-berüchtigte Chefkolumnist einer großen deutschen Tageszeitung wird oft missverstanden. Gut, dann und wann pflegt er vielleicht einen etwas sperrigen Schreibstil und zuweilen wird der Leser von Wagner’s unverhohlener Emotionalität vor den Kopf gestoßen - aber im Grunde will der Mann auch nur geliebt werden. Sein heutiger Brief, in dem er - vollkommen zurecht - den Bogen von aktuell scheiternden Promi-Beziehungen zur eigenen Vereinsamung schlägt, hat mir jedenfalls beinahe die Tränen in die Augen getrieben. Ich zitiere:

Liebe Liebe,

ich denke, dass ich mich einschalten muss bei Deinem Kursverfall – siehe Sarah Connor, Ferres, Boris, Madonna. Ich persönlich sehne mich nach Liebe, denn ich habe es als Alleinlebender satt, mir den Fraß in die Mikrowelle zu schieben oder an Ort und Stelle die Pommes und Würste zu verschlingen.

Sonntagmittag holte ich mir eine Pizza vom Alibaba-Grill – während überall in den Wohnungen Rindsrouladen mit Petersilie bestreuten Kartöffelchen gereicht wurden, im Schweiß weiblicher Mühe zubereitet. Meine Pizza war kalt, als ich zu Hause ankam. Ich aß sie, rauchte dabei und las die Sonntagszeitungen. Was für ein schrecklicher Sonntag für einen alleinlebenden Mann. Erschwerend kommt dazu der fehlende Geruch frisch gestärkter und gebügelter Wäsche. Da war die Hand, die ein Bügeleisen führte, die die Teller abwusch, die die Blumen begoss. Da war die Frau, die die Kinder zum Schulbus bringt. Da war die Frau, die ein Schniefen und Schluchzen der Kinder wie ein Arzt behandeln konnte.

Das alles ist für mich Liebe. Vögeln wie die Ratten ist für mich nicht Liebe. Liebe ist für mich eine Rindsroulade.

Herzlichst

Franz Josef Wagner

Ich mache mir Sorgen. Hiermit rufe ich den weiblichen, ledigen und rauchenden Teil meiner Leserschaft dazu auf, sich umgehend und mit vollständigen Bewerbungsunterlagen (Lichtbild, Lebenslauf, Zeugnis der Hauswirtschaftsschule) an Herrn Wagner zu wenden (jwagner@bild.de). Falls dieser Aufruf Früchte trägt, wünsche ich mir nicht mehr als ein gemeinsames Sonntagsessen mit den beiden - das wird sooo schön.

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Oct 22

Das Online-Angebot der BILD-Zeitung befindet sich in meiner Langeweile-Surf-Rotation und sorgt immer mal wieder für einen Lacher. Bloggerei über die Inhalte ist zugegebenermaßen recht überflüssig - Sisyphosarbeit, die bereits von anderen besser gemacht wird. Heute war es allerdings eine dort geschaltete Werbung, die mich in ungläubiges Kopfschütteln versetzt hat:

Flashvideo - andächtiges Klaviergeklimper und Bilder vom mechanischen Buchdruck, Luther nagelt seine Thesen an ein Wittenberger Kirchenportal.

Erst wenn Informationen jeden erreichen, kann eine These ihre ganze Kraft entfalten und aus Kritik Widerstand werden.

Demonstrationen für die Wiedervereinigung Deutschlands, schwarz-rot-geiles Fahnenmeer auf der Berliner “Fanmeile”.

Nur wo Informationen frei verfügbar sind, kann Demokratie entstehen und aus einem Sommer ein Märchen werden.

Dann eine junge Frau, die sich lässig mit ihrem Laptop aufs Bett fläzt.

Jeder hat das Recht auf freien Zugang zu Informationen - deshalb können Sie unser Online-Angebot auch in Zukunft uneingeschränkt nutzen.

Okay, scheinbar doch keine Neuauflage der “Du Bist Deutschland”-Spots, denke ich noch, als folgende Tafel erscheint und der Kommentar wieder einsetzt:

ARD und ZDF

ARD und ZDF - Ihr gutes, öffentliches Recht

Wenn es mein “gutes Recht” ist, diese Informationen frei zu nutzen, warum bucht dann die GEZ alle drei Monate knapp 50€ bei mir ab? Warum müsste ich selbst ohne Fernseher und Radio für meinen PC mit Internetzugang Gebühren abdrücken, wenn nicht für genau dieses Online-Angebot? Dieser Spot ist in meinen Augen einfach nur eine bodenlose Frechheit…

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